Ich schmeiße hin

on February 27, 2009

Ein kleiner Absatz in einem Artikel eines Kollegen hat mich dazu bewogen, morgen in der Redaktion bekannt zu geben, dass ich aus unser Aktion "Wir fasten uns ran" aussteige. Was passiert ist?


Während in der Redaktion bereits die erste Kollegin angefangen hat, die Regeln zu beugen und Schokolde mit Cappuccino trinkt, obwohl sie sieben Wochen auf Süßigkeiten verzichten wollte, gilt für mich eiserne Disziplin.


Dies durfte ich heute in besagtem Artikel lesen. Und das hat mich tierisch auf die Palme getrieben. Warum ? Meine Stellungnahme dazu, aus dem Bauch heraus geschrieben - und natürlich im Gegensatz dem Artikel meines Kollegen NICHT veröffentlicht.


Es heißt, in Krisenzeiten zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen. Bei mir ist das so. Bei mir kommt zurzeit mein übertriebener Sinn für Gerechtigkeit an die Oberfläche – gepaart mit der meist nervigen Eigenart, bei schon keinen Sticheleien die Decke zu gehen.

Ob diese Gereiztheit damit zu tun hat, dass ich seit zwei Tagen keine Schokolade, keine Chips und kein Eis gegessen habe und auch sonst auf Naschwerk jeglicher Art verzichtet habe? Könnte durchaus sein, glaube ich aber nicht.

Was mich vielmehr auf die Palme treibt, ist die Tatsache, dass mir andere Menschen ihre Regeln aufzwingen wollen – und mich dann des Regelbruchs bezichtigen, wenn ich mich nicht danach richte. Das ist unverschämt. Das ist eine Frechheit. Das ist nicht akzeptabel.

Wer sich an der Aktion «7 Wochen Ohne» beteiligt, tut dies aus freiem Willen – und stellt dabei seine eigenen Regeln auf. Während ich vor zwei Tagen noch darüber sinnierte, ob ich an meinem Geburtstag eine Geburtstagtorte verspeisen darf – was ich nicht tun werde, da ich für mich beschlossen habe, dass auch Kuchen zu Naschwerk zählt – muss ich mich nun offenbar mit ganz anderen Dingen auseinandersetzen.

Man wirft mir vor, auch Schokocappuccino wäre eine Süßigkeit. Das mag manch einer so sehen. Ich habe für mich Getränke jeglicher Art aber von Beginn an nicht als Süßigkeit definiert. Daher werde ich auch weiterhin so viel Schokocappuccino trinken, wie es mir beliebt. Wer mich dann des Regelbruchs bezichtigt oder mir vorwirft, ich wäre bereits zu Beginn meiner persönlichen Fastenzeit gescheitert, der sollte vielleicht vorher erst einmal Regelkunde betreiben.

Ich verbiete anderen Kollegen ja auch nicht, sich jedes Mal mit Liegestützen aus der Affäre zu ziehen, wenn sie gegen ihre selbst auferlegten Regeln verstoßen. Aber das hat wohl wieder was mit Gerechtigkeit zu tun.



Nachdem ich jetzt beim Fußball meinen Frust ausgelassen, mit einer Freundin telefoniert und noch einmal darüber nachgedacht habe, möchte ich folgendes anfügen:

Manche Menschen haben offenbar den Sinn dieser Aktion verkannt. Was am Anfang als Spaß begonnen hat, ist mittlerweile für die einen nach wie vor nix mehr als ein Gaudi - für andere aber ist es mehr als das geworden. Auf Süßigkeiten - Schokolade, Chips, Eis und Kuchen - zu verzichten, fällt mir schwer genug. So nach und nach merke ich, worauf ich mich eingelassen habe. Aber es ist mir wichtig. Wenn ich schaffe, vielleicht kann ich dann auch auf Dauer meine Essgewohnheiten umstellen.

Ich bin kein Christ, aber zum ersten Mal beginne ich den Sinn der Fastenaktion zu verstehen. Was geht einen Deal mit sich selbst ein, testet seine Grenzen und versucht, etwas umzusetzen, das bisher gescheitert ist. Die Teilnahme an dieser Aktion, egal, in welcher Form sie auch immer geschieht, ist eine ganz persönliche Sache. Wenn ich versage, dann steht es in meiner Macht, das andere wissen zu lassen. Kein anderer hat das Recht, diese Dinge in die Öffentlichkeit hinaus zu posaunen. Schließlich geht es hierbei nicht um einen Wettbewerb oder einen Konkurrenzkampf à la "Ätsch, ich hab länger durchgehalten". Nein, es geht um eine Sache, die man mit sich selbst austragen muss.

Diese Gedanken mag nicht jeder verstehen, aber darauf kommt es auch gar nicht an. Fakt ist, ich werde morgen aus der Aktion aussteigen - zumindest in der Redaktion. Für mich selbst werde ich - und zwar weil ICH es möchte - weitermachen und sehen, was am Ende dabei heraus kommt. Und was ich im Rahmen dieser Aktion mit anderen teile, entscheide ich selbst. Denn Fasten ist und bleibt eine PERSÖNLICHE Angelegenheit.

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