Ein musikalisches - und kostspieliges - Wochenende bei den Proletariern

on January 13, 2009

Zusammen mit Vera, Uli und Claudia ging es am Freitag nach Chemnitz - früher auch mal als Karl-Marx-Stadt bekannt - wo wir an einem Workshop teilgenommen haben, der uns in zwei Wochen berechtigt, im Vorprogramm des Oslo Gospel Choirs aufzutreten. Hier ein paar Eindrücke, sortiert nach Kategorien:

Die Stadt: Chemnitz ist nicht unbedingt das, was ich als schöne Stadt bezeichnen würde. Viele Bauten erinnern nach wie vor an die Zeit der russischen Besatzung, an DDR und Stalinismus. Funktional und kompakt, so würde ich die meisten Bauten beschreiben. Allen voran die Büste des einstigen Namensgebers...



Auch, was die öffentlichen Verkehrsmittel angeht, war ich für eine "Großstadt" (nach sächsischem Standard, immerhin gibt es eine Uni) enttäuscht. Pläne im Internet müssen noch lange nicht in der Praxis funktionieren, wie ich am eigenen Leib erfahren habe. Die Haltestellen sind sehr kreativ benannt: Zentralhaltestelle, Kaßbergauffahrt, ... Hinzu kamen ungeräumte Wege und Straßen... also ein nochmaliger Besuch in Chemnitz ist aus freiwilliger Sicht nicht geplant.

Der Workshop: Die Kirche war zumindest am Freitag eisekalt (was bringt mir ne Fußheizung, wenn der Rest des Körpers zittert). Alles, was an diesem Wochenende irgendwie anstand, hat Geld gekostet: 8 Euro für ein bissl Kartoffelsuppe, einen Joghurt, zwei Stück Kuchen und nen Kaffee. 3 Euro für ein Schlüsselband, um den Ausweis anzuhängen. Jeweils 1 Euro pro Getränk (zum Beispiel eine Tasse Tee oder eine 200-Milliliter-Saftflasche). Am Konzertwochenende kommen dann evt noch 13 Euro dazu, wenn man den Auftritt als Erinnerung auf DVD gebrannt haben möchte. ABER: die DVD enthält dann lediglih unser Vorprogramm und die beiden Songs, die wir mit dem Oslo Gospel Choir im Finale singen. Das Hauptprogramm der Stars wird naturellment NICHT für uns mit aufgezeichnet. Ach, und ich hab die Knicklichter vergessen, die man fürs Finale VOLLKOMMEN FREIWILLIG zum Preis von 3 Euro erwerben kann. Ist für einen guten Zweck, "also beteiligt Euch bitte zahlreich"...

Hab ich erwähnt, dass in den 40 Euro für den Workshop auch unsere Eintrittskarte zum Konzert enthalten ist? Seit wann muss ich als Künstler bitte für meinen eigenen Auftritt Eintritt zahlen?

Unser Fazit: Das machen wir NIE wieder. Bei anderen Workshops, die wesentlich länger gedauert haben, war für wesentlich weniger Geld neben dem Notenmaterial auch Unterkunft und Verpflegung mit drin. Da können sich die "Stars" echt mal ne Scheibe abschneiden...

Die Musik: So ziemlich das einzige, was die Fahrt im total überfüllten und verspäteten Zug nach Chemnitz gerechtfertigt hat. Die Songs sind wirklich toll: Shine Your Light (eins meiner Lieblingsgospels), Glory To God Almighty (schön peppig), Father (*schluchz* ist das schön), Bless The Lord, Come Let Us Sing und noch ein paar andere. Wer mal reinhören will, kann das hier tun.

Und wer sich trotz meiner Kritik Tickets für das Konzert kaufen will (Donnerstag, 22. Januar ab 19.30 Uhr), kann das ebenfalls hier tun. Karten kosten je nach Sitzplatzkategorie 20 bis 35 Euro. Knicklichter, DVDs, CDs und sonstiges Material gibt es natürlich auch - gegen Geld...

Aber wir hatten trotzdem unseren Spaß, ne Mädels?



P.S.: Fernseher daheim läuft überraschenderweise wieder, PC ist komplett tot. Habe heute schon unsere Technik-Redakteure damit beauftragt, sich auf die Suche nach einem preiswerten, aber dennoch qualitativ hochwertigen Schnäppchen zu machen.

1 Kommentare:

René said...

Erfrischend ehrlich. Wobei ich wohl nicht in die Verlegenheit kommen werde, zu einem Gospel-Workshop zu fahren. Chemnitz ist nun aber endgültig von der Liste meiner Reiseziele gestrichen. ;-)